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DIN 19643 — die komplette Erklärung für Bäder-Betreiber

Was die Norm vorschreibt, was die Novelle 2023 verändert hat, und was ein GA-Audit-Prüfer wirklich erwartet — verständlich erklärt, ohne Norm-Jargon.

Was ist die DIN 19643 und wer ist betroffen?

Die DIN 19643 ist die zentrale deutsche Norm für die Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser. Sie wurde im Juni 2023 in einer Neufassung veröffentlicht (DIN 19643:2023-06) und gilt für alle gewerblich oder öffentlich genutzten Bäder — unabhängig davon, ob es sich um ein kommunales Hallenbad, ein Hotel-Wellness-Pool, einen Therapie-Bad oder einen gewerblichen Whirlpool handelt. Privatpools fallen nicht darunter; sobald aber Gäste, Patient:innen oder Mieter:innen das Wasser nutzen, gilt die DIN.

Die Pflicht zur Doku ergibt sich nicht direkt aus der DIN selbst, sondern aus § 37 IfSG (Infektionsschutzgesetz) und den Trinkwasserverordnungen — die DIN 19643 ist aber die anerkannte Regel der Technik, an der sich Gesundheitsämter messen.

Die vier Teile im Überblick

Die DIN 19643 gliedert sich in vier Teile:

  • Teil 1 — Allgemeine Anforderungen. Der wichtigste Teil. Definiert die Hygiene-Hilfsparameter, Grenzwerte, die Betriebstagebuch-Pflicht und die Messfrequenzen. Wird vom Gesundheitsamt direkt geprüft.
  • Teil 2 — Verfahrenskombinationen mit Festbett- und Anschwemmfiltern. Filtergeschwindigkeit ≤ 30 m/h, Flockungsmittel-Wahl (Aluminium oder Eisen), Differenzdruck-Trigger für Rückspülung. Siehe Detail-Seite DIN 19643 Teil 2.
  • Teil 3 — Verfahrenskombinationen mit Ozonung. Nur für Bäder mit Ozonstufe relevant — typischerweise größere Hallenbäder und Thermen.
  • Teil 4 — Verfahrenskombinationen mit Ultrafiltration. Spezialfall, nur wenige Bestandsanlagen.

Pflicht-Hygiene-Hilfsparameter (Klasse A, B, C)

Mit der Novelle 2023 wurden die Parameter in drei Klassen geteilt. Die Klasse A (Pflicht-Hilfsparameter, mehrfach täglich) ist für den Alltag entscheidend:

  • Freies Chlor — Schwimmer- und Therapiebecken 0,3 – 0,6 mg/l; Whirlpool 0,7 – 1,0 mg/l. Mindestens 1× täglich (Automatik) oder 2× täglich (manuell).
  • Gebundenes Chlor — max. 0,2 mg/l (Vorsorge-Grenze). Bei Überschreitung Frischwasser nachfüllen.
  • pH-Wert — Aluminium-Flockung 6,5 – 7,2; Eisen-Flockung 6,5 – 7,5.
  • Redox-Spannung — ≥ 750 mV bei pH 6,5-7,3; ≥ 770 mV bei pH 7,3-7,5.
  • Wassertemperatur — beckentyp-spezifisch (Schwimmer 24-28 °C, Therapie 28-32 °C, Whirlpool 32-39 °C).

Die Klassen B (Vorsorgewerte) umfassen z.B. Trihalogenmethan (THM), Chlorit, Chlorat, Bromat — Labor-Probe alle 4 Wochen bis 6 Monate je nach Bad-Typ. Klasse C (technische Werte) sind Trübung, Aluminium, Eisen, Säurekapazität, Nitrat, TOC — zu optimieren.

Die komplette Tabelle mit allen Sollbereichen finden Sie auf der Detail-Seite Pflicht-Parameter und Grenzwerte.

Betriebstagebuch-Pflicht-Einträge

Nach DIN 19643-1 müssen folgende Einträge geführt werden:

  • Täglich: Name des Hygiene-Verantwortlichen, Messwerte (freies/gebundenes Chlor, pH, Redox, Temperatur), Dosier-Mengen, Beobachtungen.
  • Wöchentlich: Filter-Rückspülung mit Trigger (Differenzdruck), Spülwasser-Menge, Beckenreinigung.
  • Monatlich: Hygienische Inspektion, Wasserzähler-Stände, Verbrauchschemikalien.
  • Quartalsweise / halbjährlich: Wasserprobe durch akkreditiertes Labor (mikrobiologisch + chemisch).
  • Jährlich: Gesundheitsamt-Audit (Standard-Frequenz). Bei zwei Jahren ohne Beanstandung ist eine Verlängerung auf 2-Jahres-Rhythmus möglich.

Bei lückenhafter Doku drohen Schließungsverfügungen — das Betriebstagebuch ist explizit Pflicht, nicht „nice to have".

Was die Novelle 2023 verändert hat

Die Neufassung 2023-06 hat drei wichtige Änderungen gebracht: Die Aufteilung der Parameter in drei Klassen (A/B/C), präzisere Beckentyp-spezifische Sollbereiche und schärfere Anforderungen an die Hygiene-Inspektion bei höheren Wassertemperaturen. Therapie-Bäder wurden enger gefasst, weil die 28-32-°C-Range das Mikroben-Wachstum begünstigt.

Was bei einem Gesundheitsamt-Audit geprüft wird

Ein GA-Prüfer:in erwartet typischerweise: das aktuelle Betriebstagebuch der letzten 12-24 Monate, Labor-Befunde, Filter-Rückspül-Dokumentation, eine Liste der Verbrauchschemikalien mit Sicherheitsdatenblättern und einen Nachweis über die hygienische Inspektion. Details und Fallstricke finden Sie auf der Seite GA-Audit Schwimmbad.

Häufige Beanstandungen: fehlende Schichtleiter-Quittung, lückenhafte Rückspül-Dokumentation, abgelaufene Labor-Befunde, unvollständige Reaktion auf Vorsorgewert-Überschreitungen. Wer eine durchgehende, zeitgestempelte Doku vorlegt, hat in der Regel keinen Audit-Stress.

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